Nachlese: HR-Spring-Special 2015

Employer Branding

Ein ständiger Prozess – Authentizität im Mittelpunkt

Funktionierendes Employer Branding kennt nur Gewinner. Es ist sowohl im Interesse der angehenden MitarbeiterInnen als auch der Arbeitgeber, dass Job- bzw. Personalentscheidungen nicht auf Grund falscher Tatsachen getroffen werden. Aber wie kann ein Unternehmen die richtigen BewerberInnen ansprechen und gleichzeitig erreichen, dass diese auch im Unternehmen bleiben? Von größter Bedeutung ist hierbei, dass Arbeitgeber ein authentisches Selbstbild nach außen vermittelt, so der einhellige Tenor bei dieser Veranstaltung. Es gibt kein einheitliches Rezept, wie „richtiges“ Employer Branding auszusehen hat, deswegen muss es als unaufhörlicher Prozess betrachtet werden, in welchem das Selbstverständnis des Unternehmens ebenso wie seine Außenwirkung ständig hinterfragt wird.

Am 24. März 2015 lud das Forum Personal im ÖPWZ seine Mitglieder zum traditionellen HR-Spring-Special ein. Eröffnet wurde die Abendveranstaltung in den Räumlichkeiten des VERBUND am Westbahnhof in Wien von Dr. Georg Horacek, Senior Vice-President Human Resources OMV AG und Präsident des Forum Personal. Auch heuer nutzten wieder über 90 HR-Profis die informelle Atmosphäre zum Informations- und Erfahrungsaustausch.
Dr.in Martina Schmied (Magistrat der Stadt Wien) moderierte die Diskussionsrunde. Mit ihr am Podium: Markus Gruber (Geschäftsführer GPK Event- und Kommunikationsmanagement GmbH und Initiator der Studie „Best Recruiters), Nikolaus Hanke, MSc. (Geschäftsführer/Partner MEDIA CONSULT Story Development GmbH), Jubin Honafar (CCO, Co-Founder & Chief Seller Whatchado GmbH), Mag. Herwig Kummer, MSc. (stv. Leiter Personalmanagement ÖAMTC) sowie Dr. Georg Reiser (Head of Corporate Human Resources voestalpine AG).

 

 

Nikolaus Hanke: „Employer Branding befindet sich in einer sensiblen Position zwischen Image und Identity“

Gutes Employer Branding befindet sich in einer sensiblen Position zwischen Image und Identity, ist Nikolaus Hanke, Geschäftsführer/Partner von MEDIA CONSULT überzeugt. Allein mit einem guten Unternehmens-Image und einer tollen Marketingstrategie seien gute MitarbeiterInnen nicht langfristig für ein Unternehmen zu gewinnen.  
Die Frage der Authentizität ist beim Employer Branding von zentraler Bedeutung. Nur wenn das Image eines Unternehmens und seine authentischen Außendarstellung, die Identity, in einem stimmigen Verhältnis zueinander stehen, könne Employer Branding gut funktionieren und MitarbeiterInnen langfristig ans Unternehmen gebunden werden.
Employer Branding müsse zudem nicht als Kampagne, sondern als Prozess gesehen werden, in welchem man seine Positionen immer wieder hinterfragt.

 

Markus Gruber: „Es ist ein Wunder, dass nur jeder 3. im falschen Job ist“

Markus Gruber ist der Initiator der Studie „Best Recruiters“, welche die Recruiting-Qualität der Top Arbeitgeber in Österreich, Deutschland und der Schweiz wissenschaftlich untersucht und kennt somit das Recruiting-Gebaren in den heimischen Unternehmen wie kein Zweiter.
Nach seinen Erkenntnissen gibt es in der Unternehmenslandschaft kein einheitliches Verständnis von Employer Branding. Die „Sicht der Bewerber“ ist nach Grubers Ansicht bei den Unternehmen noch immer unterrepräsentiert. So gesehen sei es erstaunlich, dass sich bloß ein Drittel der ArbeitnehmerInnen im falschen Job befindet.
Aber es gibt laut Gruber auch Positives zu vermelden. So würden die Unternehmen beim Employer Branding im Social Media-Bereich gute Steigerungsraten verzeichnen. Auch verstünden es die Unternehmen immer besser, die eigenen Benefits besser nach außen hin zu kommunizieren.

 

Jubin Honafar: „Recruiting ist wie eine Liebesbeziehung“

Aus dem Employer Branding dürfe keine Marketingkampagne gemacht werden, so Jubin Honafar, Mitbegründer der Plattform Whatchado. Employer Branding sei vielmehr eine strategische Ausrichtung, in welcher es nicht darum gehen soll, die Bewerberzahlen in die Höhe schießen zu lassen. Viel wichtiger sei es, sicherzustellen, dass sich die passenden AnwärterInnen bewerben. Qualität komme beim Employer Branding eindeutig vor Quantität.
Aus diesem Grund müssen die Unternehmen ehrlich und authentisch nach außen kommunizieren. Denn der Recruiting-Prozess gestalte sich ähnlich wie eine Liebesbeziehung, zeigt sich Honafar überzeugt: Nachdem das erste Date, das Bewerbungsgespräch, gut gelaufen ist, befinden sich neue MitarbeiterInnen die darauffolgende Zeit in einer Hochphase. Und nur mit einem authentisch vermittelten Bild des Unternehmens könne verhindert werden, dass es für diese nach dem Abflauen der ersten „Verliebtheit“ ein böses Erwachen gibt.

 

Mag. Herwig Kummer: „Die Karriere-Seite ist das Aushängeschild des Unternehmens“

Gutes Employer Branding habe nach Einschätzung von Mag. Herwig Kummer, stv. Leiter Personalmanagement ÖAMTC, nicht nur die Aufgabe, ein gutes und authentisches Bild für mögliche neue MitarbeiterInnen abzugeben. Genauso wichtig sei es, bestehende KollegInnen daran zu erinnern, was sie an ihrem Unternehmen haben.
Vorrangig ist laut Kummer eine qualitative Auswahl der BewerberInnen. Deswegen müsse innerhalb des Unternehmens klar herausgearbeitet werden, welche BewerberInnen angesprochen werden sollen, welche nicht.
Kummer sieht die Unternehmensmarke und das Employer Branding in einer fruchtbaren Wechselbeziehung. Einen zentralen Stellenwert nehme dabei die unternehmenseigene Karriere-Seite ein, denn alle anderen Kommunikationskanäle, etwa der Social Media, hätten vor allem die Funktion, auf die Karriere-Seite zu verlinken.

 

Dr. Georg Reiser: „Wir wollen präsent und laut sein“

Dr. Georg Reiser, Konzernpersonalchef der voestalpine AG, sieht Employer Branding vor allem als Knochenarbeit. Man müsse als potenzieller Arbeitgeber stets präsent und laut sein. Nur so könne ein komplexes und vielfältiges Unternehmensbild wie das der voestalpine bei potentiellen JobinteressentInnen aufrechterhalten werden. Reiser betont hierbei vor allem eine gute Kooperation zwischen der HR-Abteilung und der Kommunikationsabteilung im Unternehmen.
Grundsätzlich sieht Reiser eine reibungslose innerbetriebliche Systemstruktur als Voraussetzung für gutes Employer Branding. Funktionierendes Recruiting und vor allem permanentes Management Development (Führungskräfteentwicklung) sind dafür verantwortlich, dass MitarbeiterInnen gerne langfristig im Unternehmen bleiben.

 

Die TeilnehmerInnen diskutierten im Anschluss gemeinsam mit HR-KollegInnen beim Buffet (gesponsert von Eurest) und nutzten die Gelegenheit zum Networking.


Für Information zum Forum Personal und seinen Aktivitäten steht Ihnen Mag. Armand Kaáli-Nagy gerne zur Verfügung.

 

 

 

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