Nachlese: HR-Spring-Special 2013

Stimmung im Unternehmen - wie wirkt sich diese aus?

Permanente Transformation erfordert systemische Organisationsentwicklung - Change Management durch Führungskräfte

Kurz gefasst: Das Stimmungsbarometer in einem Unternehmen ist zwar kein akkurater Indikator für die Produktivität der MitarbeiterInnen. Gelingt es Führungskräften allerdings nicht, notwendige Kulturprozesse einzuleiten und diese mit gezielten Maßnahmen im Bereich Personalentwicklung zu begleiten, werden dem Management schlechte Führungszeugnisse ausgestellt. Was sich wiederum negativ auf Engagement, Leistungsbereitschaft, Kreativität und Innovationsfreude der ArbeitnehmerInnen auswirkt. Einhelliger Tenor der vier DiskussionsteilnehmerInnen am HR-Spring-Special 2013: Nur wenn menschliche Ressourcen genützt, Potenziale entwickelt und Engagement belohnt wird, trägt positive Stimmung für das Unternehmen auch zum Unternehmenserfolg bei.

Am 4. April 2013 bat das Forum Personal im ÖPWZ zum traditionellen HR-Spring-Special für seine Mitglieder und Freunde des HR-Netzwerks. Dr. Georg Horacek, Senior Vice-President Human Resources der OMV und Präsident des Forum Personal, eröffnete die Abendveranstaltung in den Prunkräumen der Oesterreichischen Kontrollbank. Über hundert TeilnehmerInnen, darunter zahlreiche Mitglieder der "young professionals", nutzen die informelle Atmosphäre zum Informations- und Erfahrungsaustausch. Karin Bauer, Leiterin KarrierenStandard, moderierte die Diskussionsrunde. Neben ihr am Podium: Dr. Andreas Heindl (ORF), Dr.in Sophie Karmasin (Karmasin.Motivforschung), Mag. Andreas Prenner (Industriellenvereinigung) und Mag. Roland Uccusic (Otto Bock Healthcare Products).

Sophie Karmasin: Führungskräfte tun viel - aber sie tun oft das Falsche

Sophie Karmasin eröffnete die Gesprächsrunde mit Zahlen aus einer aktuellen Studie über die generelle Befindlichkeit der ÖsterreicherInnen - und lieferte ernüchternde Fakten: Jede(r) zweite glaubt, dass ihm weniger "im Börsl" bleibt als noch vor zehn Jahren. Bis zu 40 % haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Und während die Zahl der Burnoutgefährdeten gerade die 30 %-Marke überschreitet, Tendenz steigend, liegt die Zahl derjenigen, die ihren Arbeitsplatz als Quelle persönlichen Glücks nannten, im einstelligen Bereich. Letzteres verwundet nicht. Immerhin erzählen 95 % der Befragten von selbst erlebten Fehlern der "Führungsetage". Gleichzeitig beklagen Führungskräfte mangelndes Engagement, wenig Innovationsbereitschaft und fehlende Kreativität bei den ArbeitnehmerInnen. Karmasins Fazit: 97 % aller ManagerInnen tun aktiv etwas, um ihren Führungsstil zu optimieren - doch offensichtlich tun sie häufig das Falsche.

Andreas Prenner: Hoher Impact auf das sensible Gefüge Organisation

Bei den Mitgliedsbetrieben der Industriellenvereinigung beobachtet Andreas Prenner ein Paradoxon: Während die Stimmungslage in Hochkonjunkturzeiten wenig Anlass zum Jubeln bietet, herrscht in wirtschaftlichen Krisenzeiten bei vielen Firmen eine Art "Zweckoptimismus", der sich positiv auf die Leistungsbereitschaft der Belegschaften auswirkt. Permanente Transformation sei trotzdem unumgänglich, nicht zuletzt durch den Generationenwechsel bedingt. Ein Patentrezept kann freilich auch der Leiter des Bereichs Personal und Finanzen der Industriellenvereinigung nicht vorlegen. Er setzt im eigenen Haus auf wertschätzende MitarbeiterInnengespräche und richtungsweisende Mentoringprogramme. Mit Erfolg, wie die zahlreichen Ex-IV-MitarbeiterInnen belegen, die heute in Führungspositionen tätig sind.

Andreas Heindl: Führungskräfte müssen Sicherheit ausstrahlen

Ob Führungskräfte ihr Team auch in Krisenzeiten motivieren können, hängt nicht zuletzt von ihrem Menschenbild ab, ist Andreas Heindl überzeugt. Je positiver die Einschätzung der MitarbeiterInnen, desto leichter gelingt es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Leistung erstrebenswert machen. Der ORF habe von seinen Investitionen in die Führungskräfteentwicklung jedenfalls profitiert - auch wenn das in der Öffentlichkeit aufgrund kritischer Medienberichterstattung nicht immer so wahrgenommen werde. Als wichtigste Voraussetzung für erfolgreiches HR-Management nennt der Leiter der ORF-Schulungsabteilung die langfristige Planung: "Damit Führungskräfte Veränderungsprozesse gut begleiten können, müssen sie selbst in einer stabilen Zone und Struktur verankert sein."

Roland Uccusic: HR darf nicht der "Kasperl" des Unternehmens sein

Selbst boomende Branchen, in denen Personal dringend gesucht wird, bleiben von Stimmungsschwankungen innerhalb der Belegschaft nicht verschont, weiß Roland Uccusic. Waren in der "kleinen Entwicklerbude" noch individuelle Absprachen an der Tagesordnung, so gelten mittlerweile für mehr als 600 MitarbeiterInnen im Großunternehmen klare Regeln und internationale Standards. "Die HR darf dabei nicht zum Kasperl des Unternehmens werden", so der Leiter Personalmanagement bei Otto Bock Healthcare Products. Wichtig sei der Erwartungsabgleich zwischen MitarbeiterInnen und Management. Und ein spezielles Ausbildungsprogramm, das beiden Seiten ihre jeweilige Verantwortung nahe bringt: Das eigene Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu sichern. Und aus den Unterschiedlichkeiten im Unternehmen ein positives Ganzes als Basis für allgemeine Zufriedenheit zu formen.